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Test

Dai Shodan
Mutter: Tersker | Vater: Arabisches Vollblut
*21. Mai 1996    ✝ 07. Januar 2015

Als Absetzer 1996 gekauft, sollte dieser AV-"Mix" ein ganz normales Freizeitpferd werden. Beide Eltern sind und waren top fit und gesund, und waren beide bei ein- und mehrtägigen Distanzritten erfolgreich. Ein chronisch krankes Pferd hatte ich bereits, da sollte das Nachwuchspferd unter idealen Bedingungen zu einem tollen Reitpferd heranwachsen.

2009 ging unser persönlicher "Jubel " online

2009: Shodan wird 13 Jahre alt und endlich ist er reitbar und seine Leidensgeschichte gehört der Vergangenheit an.

Diesen Satz schrieb ich 2009 zum Online-Start dieser dai-shodan-WebSite. Nach all den Höhen und Tiefen, teilweise auch den Anfeindungen von außen, wollte ich neben all den Horror Meldungen, die immer mal wieder durchs Internet gehen, eine Erfolgsgeschichte posten. Ich wollte ermutigen und versuchen Infos - vor allem in deutscher Sprache - zur Verfügung zu stellen.

Was seitdem passiert ist, macht mich heute noch sprachlos und unfassbar glücklich! Ein reger Erfahrungs-Austausch, viele viele betroffene Pferdebesitzer und auch Pferdetherapeuten unterschiedlichster Fachrichtungen bereichern das Thema!
Rückmeldungen und Infos überrollen mich teilweise, freuen mich ungemein und haben mich auch nochmals weiter angespornt noch weiter zu denken, zu grübeln, zu forschen, zu testen, zu optimieren - schlicht und ergreifend: NOCH BESSER hinzuschauen und noch Vieles zu lernen!
Ich möchte hiermit DANKE sagen.

Mut machen! Hoffnung weitergeben und den Dank an diejenigen, die ernsthaft mitgedacht und mitgeholfen haben. Vielleicht waren sogar die Anfeindungen nötig, da ich manchmal mehr aus Trotz als aufgrund kompletter Überzeugung,  Gedanken weitergedacht und weiterverfolgt habe..... :-)

Über einige Sätze werde ich mich wohl immer aufregen:
z.B. dem gehört mal richtig was auf den Frack, dann läuft er auch! gehören tatsächlich nicht ins vorherige Jahrhundert, sondern werden auch heute noch in Reithallen als Empfehlung weitergereicht
oder z.B. das haben wir schon immer so gemacht, das muss so sein!

In der Öffentlichkeit wird der Reitsport in letzter Zeit eher mit Doping oder mit Pferde-Quälerei in Zusammenhang gebracht. Ein Skandal jagt fast schon den nächsten. Im normalen Pferdealltag geht es um viel kleinere und unscheinbare Geschichten, die für den Betroffenen aber sehr dramatisch sind.

Wie alles begann

Bis zum 4. Lebensjahr machte ich mir um Shodan eigentlich nicht wirklich Sorgen. Natürlich hat ein heranwachsendes Pferd ab und an auch mal kleinere Verletzungen oder Krankheits-Symptome, aber da immer alles recht gut heilte, machte ich mir keine weiteren Gedanken.

Im Nachhinein ist man immer schlauer. Rückblickend hatte Shodan in den ersten 4 Jahren doch ab und an bereits einzelne (damals nicht erklärbare) Symptome, die mit heutigem Wissen über PSSM auf die genetische Disposition hingedeutet hatten. Da Symptome bei Shodan immer wieder (äußerlich sichtbar) verschwanden, nahm ich diese "Anzeichen" nicht als solche zur Kenntnis.
Voraussetzung für die Erkennung und Interpretation von Symptomen: man muss wissen, worauf man achten muss.
PSSM war als Begriff damals noch ein Fremdwort hier in Deutschland - PSSM Symptomatiken von PSSM wurden nicht als mögliches Problem oder als bewegungsstörend oder gar als schmerzhaft wahrgenommen.

Ernsthafte Schmerzsymptome - keine diagnostische Erklärung möglich

Ab 2001 - Shodan war mittlerweile 5. Jahre - wurde es offensichtlich: ich stand  immer häufiger vor einem Pferd mit Schmerzgesicht: seine Muskulatur verkrampfte, Shodan war überaus berührungsempfindlich.

Symptome schienen nahezu täglich zu wechseln.
Mal konnte ich noch nicht mal mit ihm spazieren gehen, mal mochte er sich noch nicht einmal selber im Offenstall bewegen, mal konnte ich ihn eine größere Runde als Handpferd mit ins Gelände nehmen: aber ich wusste nie im Vorfeld, welche Konsequenzen am Folgetag auf uns warteten.

Vier lange Jahre habe ich nach jedem Strohhalm gegriffen: Etliche Tierärzte, Osteopathen der unterschiedlichen Schulen, Pferde-Akupunkteure, Pferde-Physiotherapeuten und Pferde-Tierheilpraktiker haben mein Pferd behandelt. Vier Jahre waren geprägt von nicht greifbaren Diagnosen, von merkwürdigen Symptomen, Hoffen und Bangen und immer wieder neuen Rückfällen.

In solchen Jahren wird man als Pferdebesitzer zum Einzelgänger. Wie häufig habe ich an meiner eigenen Einschätzung gezweifelt. Sehe ich Gespenster? Sobald man sich einer solchen Herausforderung gegenüber sieht, dann geht die Suche los: wer kann helfen? wer hat noch eine Idee? welche Möglichkeiten gibt es?

2004: Mit dem Tierarzt meines Vertrauens hatte ich mich bereits über das Thema "Einschläfern" unterhalten. Meinem Pferd ging es einfach nur schlecht, er hatte Schmerzen, ich war mit meinen Nerven am Ende: ABER es gab keine Diagnose.
Das Warum und das Wieso hingen in der Luft und immer wieder hatte ich mich doch aufgerappelt um danach zu suchen.

2004: ein Neuanfang für ein 8-jähriges Pferd

In meiner größten Verzweiflung und eigentlich zu dem Zeitpunkt, an dem ich aufgeben wollte, da stolperte ich im Internet über 2 Studienprojekte an Universitäten in Australien und den USA. Zum ersten Mal las ich damals von fütterungsbedingten Tying-Up Symptomen: » EPSM.
Ich buddelte mich in die Texte und war sehr skeptisch: aber mein Pferd und ich hatten nichts mehr zu verlieren. Eine Futterumstellung war schliesslich sehr einfach durchzuführen. Dieser Versuch sollte es noch sein - nach all den unzähligen (Therapie-)Versuchen der letzten Jahre.

In den veröffentlichten Studien las ich viel über Fette- und Ölzugaben. Bei dem Gedanken einem dicken, um nicht zu sagen fetten Pferd auch noch Öl zu geben, zauderte ich jedoch arg.

Kurze Zeit später flatterte die Kundenzeitung der Kräuterwiese die Schatz in meinen Briefkasten. Dort fand ich damals den ersten Artikel über » PSSM in deutscher Sprache.

Dieser Artikel war für mich der Startschuss die Futterumstellung wirklich anzugehen: Neben Heu gab es für Shodan erst einmal NUR noch Heucobs mit Leinöl.

Natürlich ersetzt das Internet keinen Therapeuten. Und natürlich können betroffene Pferdebesitzer aufgrund von Diskussionen in Foren auch komplett verwirrt werden und sogar in Panik geraten. Aber dennoch: Das Internet kann auch positiv wirken, wenn durch die Informationsbeschaffung die rettende Idee aufkeimt. Ich war auf jeden Fall sehr glücklich, dass ich im Internet damals Hinweise gefunden hatte. Nach 4 Jahren vergeblicher Suche, nach diversen Untersuchungen und Therapieansätzen gab es eine Möglichkeit, die sich später auch als die Rettung herausstellte.

Nach vielen Gespächen mit Pferdebesitzern von chronisch kranken Pferden, weiss ich mittlerweile, das ich nicht allein mit nagenden Fragen zweifelnd vor meinem Pferd gestanden habe und immer wieder gegen schlechtes Gewissen und ein grummelndes Bauchgefühl angekämpft habe. Es kommt eigentlich viel zu häufig vor, dass Pferdebesitzer allein stehen und nach möglichen Auswegen suchen.

Diese Internetseite soll Mut machen auch mal "andere Wege" anzudenken, hier sollen Informationen und Hinweise angeboten werden. Ob eventuell etwas "passt" für Ihr Pferd und Ihre Einstellung, muss jeder selber entscheiden bzw. mit den Therapeuten und Behandler vor Ort abstimmen.

Glücklicherweise sind Begriffe wie PSSM oder insgesamt Stoffwechselprobleme bei Pferden heute viel bekannter als noch 2004. An deutschen Unis wird geforscht und gerade Frau Prof. Dr. Annette Zeyner (aktuell an der Uni Rostock) wird nicht müde auch in öffentlichen Vorträgen über die aktuellen Erkenntnisse in der Forschung zu berichten.

seit 2004 -  die "etwas andere" Pferdefütterung : STÄRKE - REDUZIERT

Seit 2004 hat sich in Diskussionen und auch auf dem Pferdefuttermarkt Vieles verändert. Leider gehört auch "TamTam" und viele großartigen Werbeversprechungen für teueres Futter mit zumindest diskussionsbedürftigem Inhalten rund um das Thema "stoffwechselbelastete" Pferde ....

Mein persönlicher Weg, führte mich häufiger im Zick Zack, zwischen Fertigfutter und Heu-"Diät" zu einer sehr individuellen Fütterung mit möglichst vielen unterschiedlichen pflanzlichen Produkten, mit relativ wenig Fertig-Mineralergänzungsfutterkomponenten.

Interessant im Nachhinein: Nicht nur bei mir konnte ich den Gedanken bemerken, dass ein Gefühl aufkam, ich müsste ein schlechtes Gewissen haben, da ich meinem Pferd "Etliches" vorenthalten würde. Interessant wie häufig dieser Gedanke bei Pferdebesitzern auftaucht. 

Fütterungswege:
Angefangen habe ich damals 2004 mit Heufütterung, die lediglich mit Heucobs und Leinöl ergänzt wurde.
Über die Jahre habe ich die Ölmenge immer wieder verändert. Empfohlen wird bei PSSM immer wieder eine recht hohe Ölmenge. Wir dürfen aber nicht vergessen, dass Pferde, bei denen PSSM festgestellt wurde, trotzdem immer noch Pferde sind ;-) .... Pferde haben keine Gallenblase und sind daher nicht auf die plötzliche Zufuhr von Fetten/Ölen vorbereitet.
In den letzten Jahren bekam Shodan kein Öl mehr "einzeln", sondern der in Ölsaaten enthaltene Ölgehalt / Fettgehalt reichte ihm - auch bei den kleineren bis mittleren Distanzritten bis ca 70 km.


Ich muss zugeben: Fast alle auf dem Markt befindlichen "Fertigfutter"Mittel sind auch schon mal in Shodan gelandet - zumindest das, was Shodan freiwillig gefressen hat. Immer wieder brachte mich der Gedanke, vielleicht doch noch etwas zu verbessern oder zu optimieren ( mal abgesehen davon, dass Werbung es immer wieder schafft einem ein schlechtes Gewissen einzureden: "meinem Pferd fehlt etwas", das durch Futter doch leicht "wett" zu machen ist .... ) dazu, ein Produkt XY zu kaufen.

Die normalen sogenannten Allein-Ergänzungsfutter-Angebote hatte ich immer recht schnell wieder aus der Futtertonne verbannt. Deutlich länger hat es gedauert bis ich für mich und Shodan zu einer Einschätzung der Mineral-Ergänzungs-Futtermittel gekommen bin.

Insgesamt blicke ich bei Shodan auf 16 Jahre zurück, in denen ich detailierte Aufzeichnungen über Fütterung, Blutbilder und klinischen Symptomen habe.
Interessant dabei: In einem Zeitraum von 13 Jahren hatte ich 2 Pferde, die sehr ähnlich gefüttert wurden - die Aufzeichnungen über Fütterung, Training, Blutbilder etc. liegen demnach für 2 Pferde vor. Einflüsse, aufgrund von Heu, Wasser und Gras - sprich auf die regionalen Bodenverhältnisse - galten für beide Pferde.
Damit hatte ich die Möglichkeit zumindest die Symptome, die für Shodan und seine indiviuellen PSSM Symptomatiken galten, etwas heraus zu arbeiten.

Glücklicherweise - zumindest scheint es so, haben meine kurzen Umwege Shodan sogenannte PSSM-tauglichen Fertigfuttermittel anzubieten keine ganz großen Schübe ausgelöst.  Heute kann ich mir nicht erklären, warum ich das damals überhaupt in Erwägung gezogen hatte und tatsächlich meinem Pferd - eigentlich entgegen meinem Bauchgefühl - solch ein Futter überhaupt angeboten habe.

Heu und der komplette Verzicht auf Stroh, garantierten Shodan symptomfreie Bewegung. Weiterhin zeigten Blutbilder, Muskulatur und Bewegungsfreude bei Shodan, dass ihm Leinkuchen, reine Bierhefe, Hanfnüsse aber auch Sonnenblumenkerne gut bekamen.
Mineralfutter hatte ich unterschiedliche - und entgegen aller Empfehlungen konnte ich Shodan nicht durchgängig Mineralfutter geben.
Natürlich besteht ein regelmäßiger Bedarf an ausgewogener Ernähung. Shodan ging es besser, die Muskulatur war deutlich lockerer, die Blutbilder über die Jahre immer "lehrbuchhafter" wenn er kurweise Mineralfutter erhalten hatte.
Sogar Luzerne untertützte Shodan von Zeit zu Zeit. 

Angeregt durch Veröffentlichungen zum Thema Zoopharmakognosie (die Selbstmedikation bei Tieren) beschäftige ich mich immer mehr mit der Suche nach passenden Pflanzen(bestandteilen) und die Beobachtung, was sich Shodan draußen selber zum Fressen heraussucht. Eine spannende Welt! Da bleibt noch viel zu entdecken!

Mittlerweile vertraute mir Shodan so sehr, dass er mir Kräuter/Pflanzen, die ich ihm anbiete ohne vorherige Prüfung mit Begeisterung einfach wegfuttert. Ich bekomme leider über diesen Weg keine echten direkten Rückmeldungen, was sich Shodan selber suchen würde. Das funktionierte "nur" noch draußen: wo ich ihn beim grasen beobachten kann. Dort immer wieder interessant: Vorlieben wechseln - eigentlich "fliegt" Shodan auf immer wechselnde "Besonderheiten" ....

Brennesseln stehen häufig bei Shodan recht weit oben auf der Beliebtheitsskala. Beim Anblick von Roter Beete "scheint er nahezu" auszuflippen ;-) ... Ob das jedoch wie bei uns bei Schokolade einfach eine Vorliebe ist (Shodans Mutter liebt Rote Beete ebenfalls auffällig gerne ;-)...) oder ob in der roten Beete irgendwas steckt, was Shodan besonders benötigt, konnte ich jedoch noch nicht wirklich recherchieren. (Interessant: THEORETISCH past Rote Beete bei PSSM eignetlich gar nicht. Rote Beete enthält einen Chrom-Anteil, der eigentlich bei PSSM nicht so verträglich sein sollte. )
In bestimmten Phasen sind es Kräuter wie Anis und Fenchel, die von Shodan vorrangig aufgenommen werden. So habe ich mich über die Jahre immer weiter an Vorlieben von Shodan und deren (manchmal sichtbaren) Auswirkungen herangetastet. Es bleibt aber noch viel zu entdecken.

Da ich mittlerweile mit Shodan bei Distanzritten starte, bleibt nur der Winter für Kräuter-Experimente. Im Sommer habe ich immer den Blick auf die erlaubten Futterzusätze der FN (sprich auf die Dopingregeln) und biete Shodan dann nicht mehr so viele unterschiedliche Kräuter / Pflanzen zur Auswahl an.

2014: Rückblick
Mittlerweile ernähre ich Shodan eigentlich nur noch mit Heu. Heucobs gibt es um noch etwas "hineinzumischen", obwohl Shodan auch alles was ich in die Heucobs dazugebe auch solo frißt: Shodan frisst die Sonennblumenkerne einzeln, die Hanfnüsse einzeln, die Kräuter einzeln - sogar die Bierhefe einzeln. Die (Semhof oder agrobs) Luzerne sowieso und auch all die anderen Dinge, die ich ihm von Zeit zu Zeit in die Heucobs gebe.
Im Grunde genommen gibt es täglich Heucobs, um Shodan eine Freude zu machen, und um ihn daran zu gewöhnen, dass er bei Distanzritten aus einem Futtereimer frisst und um den täglichen Ablauf zu erleichtern. Über diesen Weg, kann die Fütterung auch von jemand anderen übernommen werden.

Theoretisch lt. Futterberechnung bekommt Shodan von vielen "Dingen" zu wenig. So gebe ich theoretisch zu wenig Selen und das noch in einem Selenmangelgebiet ;-) Seitdem (sprich seit 5 Jahren) stimmt jedoch der SelenBlutwert, was aber noch viel wichtiger ist, die Relation vieler Blutwerte untereinander ist viel ausgeglichener und optimaler geworden.
Lediglich bei Mangan scheint Shodan einen Mehrbedarf zu haben. Ich bin noch auf der Suche nach manganhaltigen Pflanzen. Ein Test mit Weizenkeimen läuft.

ach ja ;-)
Seitdem ich Shodan - rechnerisch eher zu knapp bis mangel-ernähre .... sind nicht nur die Blutwerte phänomenal gut,  (Leberwerte sind bereits seit Beginn der stärkereduzierten Fütterung deutlich innerhalb der Referenzbereiche) und besonders wichtig: die Fitness von Shodan ist deutlich verbessert!
Symptome wie Verspannungen, Berührungsempfindlichkeiten etc. sind nahezu komplett verschwunden. Ich glaube, die unfassbare Freude, ein PSSM Pferd mit einer "Wurzelbürste" überall am Körper zu putzen, kann nur ein Pferdebesitzer nachvollziehen, der täglich mit seinem Pferd zu tun hat, das an Verspannungen leidet. Heute steht Shodan da und geniesst es, im Fellwechsel "geschrubbelt" zu werden.
Die seit Jahren stark ausgeprägte Hinterhandmuskulatur, die eben durch die Verspannungsneigung so deutlich hervortrat, ist heute eine lockere funktionsfähige Muskulatur, die leistungsfähig ist!
Diese Augen, der Gesamtausdruck, das Strahlen, wenn Shodan vor mir steht, ist eine tägliche Freude!
Augen sind der Spiegel zum inneren Wohlbefinden! Das Schmerzdreieck, dass z.B. Linda Tellington Jones immer wieder passend beschrieben hat, ist bei Shodan verschwunden. Endlich endlich schauen mich große, runde und strahlende Augen an, wenn Shodan fragt, was wir denn heute unternehmen!

Bereits in 2009 war ich begeistert, wie gut es Shodan scheinbar ging. Aus heutiger Sicht, war Shodan in 2009 eigentlich noch arg verspannt. So locker wie sich Shodan im Jahr 2014 bewegen kann, wäre sogar noch im letzten Jahr nicht zu erwarten gewesen.
Jeder Zustand kann noch verbessert werden! Ich bin so neugierig, wohin uns unser Weg noch führt!

Jetzt und hier - im Jahre 2014 - möchte ich gerne folgende Diskussion beginnen:
Ziel der Fragestellung: Mut machen, um ganz individuell auf sein eigenes Pferd zu schauen. Es darf nicht ausschlaggebend sein, was irgendwelche Leute behaupten, was man bei Pferden mit XY zu tun oder zu lassen hätte, sondern das jeweils eigene Pferd ist der alleinige und maßgebliche Entscheidungs"träger".

  • Braucht ein Pferd wirklich täglich eine vorgefertigte Mineralmischung aus Einzelkomponenten - die in dieser Zusammensetzung niemals in natürlichen Futtermitteln vorkommen würde?
    Ich behaupte bewußt provokant: NEIN! Kein Säugetier ist auf die Verstoffwechslung von Einzel-Komponenten "vorbereitet". Einzelstoffe werden toleriert, aber die Verstoffwechslung hängt immer an Wechselwirkungen und vor allem die Gesundheit der Darmschleimhäute und der Leber-Stoffwechsel entscheidet, was überhaupt im Organismus verarbeitet werden kann.

    In dem Moment wo ich das hier schreibe, fällt mir auf, was sich noch alles hinter dem Thema versteckt: wissen wir überhaupt wie "Stoffwechsel" im Pferd funktioniert? Wissen wir überhaupt, wie Stoffe im Körper eines Säugetieres ganz genau verstoffwechselt werden?

    Viele Veröffentlichungen zeigen immer häufiger das Ergebnis: ganze Pflanzen wirken besser als ihre einzelnen (vermuteten) Haupt-Wirkstoffe.
    Je "ursprünglicher" sprich je unzerteilter wir unseren Pferden Inhaltsstoffe zur Verfügung stellen, desto besser scheinen sie sie verwerten zu können.

    Die Idee, dass bei PSSM Pferden Ergänzungs-Mineral-Futter als Stoffwechselbelastung wirken könnte, kam bei mir erst nach etlichen Beobachtungen  und Erfahrungen von unterschiedlichen Pferdebesitzern bei sehr unterschiedlichen Pferden auf.

    Hier liegen noch etliche Jahre des Beobachtens und Suchens vor mir. Mir ist jedoch wichtig, dass auch hier kritisch "scheinbar allgemein Bekanntes und Erprobtes" nochmals hinterfragt wird.
    Welche Wechselwirkungen bestehen zwischen den Einzelkomponenten?

PSSM ist zur Mode-Diagnose geworden

Einerseits ist es wirklich begrüßenswert, dass immer häufiger von PSSM gesprochen wird und diagnostiziert wird. Andererseits gibt es doch häufig noch zu viel Panik rund um das Thema - und die Diagnose hinterlässt eher Verzweiflung als Gewissheit.
Und dann beobachte ich tatsächlich eine eher zweifelhafte Tendenz, dass sich sogar  Therapeuten damit brüsten, dass PSSM ganz easy im Alltag zu regulieren sei und selbst unbedarfte Pferdebesitzer zu einem Kauf von PSSM Pferden raten.  

Schaue ich auf meine persönliche Erfahrung mit Shodan, dann war es lange Jahre ein Weg mit vielen Symptomen aber "ohne Oberbegriff" - ohne Diagnose. Damals war ich verzweifelt, weil es scheinbar keine medizinische Begründung für all die (Schmerz-)Symptome gab und der Kampf gegen die unsichtbaren Windmühlen so aussichtslos anmutete. Aber ich hatte die Pflicht genau hinzuschauen und war gezwungen genau zu beobachten und neue Wege zu testen.
Heute bin ich zum Teil arg erschrocken, welche Pauschal-Anweisungen mit einer Vehemenz gegeben werden, nur - und ich verwende das Wort hier ganz bewusst "nur" - weil eine "Genetische Dispostion" gefunden und diagnostiziert wurde und damit alles klar zu sein scheint. 

Puh - immer wieder erschreckt mich zum Beispiel auch der Hinweis, dass PSSM Pferde UNBEDINGT und IMMER trainiert werden müssen. Es erfolgt häufig überhaupt kein Hinweis auf die Umstände. Ich las letztens sogar, dass bei PSSM Pferden, der CK Wert ja schliesslich immer zu hoch sei und daher das Training unabhängig der Muskelschäden durchzuführen sei. (mich gruselt es bei der Vorstellung, welche Schmerzen das Pferd wohl durchstehen muss, nur weil sein Besitzer dazu getrieben wird, dass PSSM Pferde UNBEDINGT zu bewegen seien.)

PSSM ist eine Gen-Mutation im Bereich des Kohlenhydrat-Stoffwechsels!
Die betroffenen Pferde können weit weniger Kohlenhydrate in der Fütterung tolerieren als nicht betroffene Pferde. Bei zu hohem Anteil an Polysaccariden im Futter zeigen sich Symptome.

Natürlich steckt noch viel mehr hinter dem Begriff PSSM; nehmen wir diese Aussage erst einmal als Einstieg. 

Neben dieser Gen-Mutation sind Pferde mit der Genmutation PSSM trotzdem in erster Linie weiterhin Pferde!

  • Pferde sind, aufgrund der nicht vorhandenen Gallenblase, nicht auf die plötzliche Zufuhr größerer Mengen Fett eingerichtet. Auch ein PSSM Pferd bitte NIEMALS in "Fett" ertränken! Öl immer mit Bedacht und langsam steigernd dem Futter zugeben. Ein zuviel an Öl/Fett schadet auch dem PSSM-Pferd!

    Öl ist ein Energielieferant! Bei der Fütterung gilt es immer zu beachten, dass nur so viel Energie über das Futter ins Pferd soll, wie auch Energie verbraucht wird. Stichwort: leistungsangepasste Fütterung.
  • Auch PSSM Pferde haben nicht zwangsläufig erhöhte Leberwerte! Erhöhte Blut-Leberwerte zeigen an, dass der Lebersstoffwechsel überlastet ist. Das jeweilige Pferd wird mit Futter und/oder der geforderten Leistung, der Haltung etc. überfordert. Die Genmutation PSSM führt jedoch nicht zwangsläufig zu einer erkrankten Leber. Erhöhte Blutleberwerte zeigen, dass für das betroffene (PSSM) Pferd noch nicht die optimale Versorgung gefunden wurde. Es muss gesucht werden und es müssen Änderungen im Management her!

    Ein Grund für erhöhte Leberblutwerte bei PSSM Pferden ist häufiger der zu hohe Fett-/Ölanteil in der Fütterung.
  • Das klassische Symptom bei nicht angepasster Fütterung eines PSSM Pferdes ist die verspannte Muskulatur. Ein verspannter Muskel wird nicht richtig (mit Sauerstoff) versorgt und kann daher keine Energie für die "Entspannung" in den Muskel befördern. In der Folge entsteht ein Muskelschaden.
    Diese Muskelschäden spiegeln sich zum Beispiel im Blutparameter CK (Creatin-Kinase) wieder.
    Es gilt jedoch zu unterscheiden, ob wir in einem physiologischen oder in einem pathologischen Bereich liegen.

    Die Muskulatur an sich ist ein Wunderwerk der Natur. Die Muskeln erlauben durch Energieumsetzung die Bewegung eines Lebewesens. Muskulatur an sich passt sich unfassbar schnell den Gegebenheiten an, sprich reagiert sehr schnell und gut auf Training.

    Training wiederum besteht aus 2 Komponenten: Trainingsreiz und der nachfolgenden Ruhepause. (siehe: Was ist ein Trainingsreiz.)
    Der eigentliche Trainingszuwachs bezogen auf die Muskulatur, also die "Vergrößerung des Muskels verbunden mit mehr Leistungsfähigkeit", erfolgt in der Regenerationsphase. 

    Beim effektiven Muskeltraining entstehen in der Phase, in der Trainingsreize gesetzt werden, minimale Muskel"schäden". In der anschliessenden Heilungsphase werden durch sehr unterschiedliche Maßnahmen des Organismus, die zukünftige Leisstungsfähigkeit des Muskels erhöht.
    Nach einem deutlichem Trainingsreizes sind die CK Werte im Blut naturgegeben erhöht. Der höchste Wert wird ca 6 Stunden nach der Leistung festgestellt und benötigt ca 2 bis 3 Tage (in Abhängigkeit des Trainingsmaßes) um auf das Normalniveau zurückzukehren.

    Grundsätzlich gilt in der Trainingslehre folgende Richtlinie: wird ständig in diese Heil- oder Regenerationsphase erneut "hineintrainiert" wird die Leistungsfähigkeit immer schlechter!

    Natürlich gilt auch für PSSM Pferde: keine Leistung verlangen, solange der CK Wert noch völlig erhöht ist! Es ist sehr hilfreich zu wissen, warum bei PSSM Pferden Muskelschäden entstehen. Und trotzdem funktioniert bei PSSM Pferden die Anatomie nicht gänzlich anders als bei Pferden ohne diese Genmutation. Die Zwangs-Bewegung eines Muskels mit Muskelschäden erzeugt Schmerzen und führt zu weiteren Muskelschäden!

    Es gibt keine PAUSCHALaussage, wieviel Bewegung bzw. Training das jeweilige Pferd verkraftet oder benötigt. Bei einem PSSM Schub kann die sonst so geniale Offenstall-Haltung ein Problem darstellen: muss das PSSM Pferd einem ranghöherem Pferd ausweichen, kann es vielleicht schon der eine Schritt zuviel sein, den der Muskel genau in diesem Augenblick nicht leisten kann.

    Bei PSSM Pferden ist sehr genau die Fütterung und die geforderte Bewegung aufeinander abzustimmen. Heu allein enthält bereits (in Abhängigkeit der enthaltenen Grassorten) Kohlenhydrate: PSSM Pferde, die nur mit Heu gefüttert werden, sind im direkten Vergleich mit anderen (nicht betroffenen) Pferden häufig auffallend leistungsfähiger: sprich PSSM Pferde sind effizienter in der Ausnutzung der durch die Fütterung (z.B. nur in Heu) bereitgestellten Energie. 
  • PSSM ist erst einmal so etwas wie ein "Oberbegriff": Es besagt eigentlich nur wenig über die individuellen Symptome, nichts über die individuellen Haltungsbedingungen und Umstände: es kann daher KEINE allgemeingültige Fütterungsregel für PSSM Pferde geben!
    Es kann Vermutungen geben, dass die ein oder andere Einzelkomponente eventuell problematisch sein könnte. Aber bitte lassen Sie sich nicht einreden, dass ALLE PSSM Pferde bestimmte Futterpflanzen nicht vertragen. Schauen SIE bei IHREM Pferd hin!

 

07. Januar 2015

Die letzten Blutbilder richtig richtig gut - fast lehrbuchmäßig perfekt.
Seine Fitness, Ausstrahlung und vor allem sein Augenausdruck prima.

Die letzte Stallrunde am Dienstag abend gegen 24 Uhr unauffällig und Mittwoch morgen lag Shodan auf seiner Liegestelle in Seitenlage: also in typischer Tiefschlaflage.
Shodan schlief jedoch nicht, sondern war gestorben.

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Letzte Aktualisierung: 17.12.2016


Gefahr der Überforderung

Leider wehren sich nicht alle Pferde bei Überforderung überaus deutlich. Auch Shodan hat sich eher zaghaft gemeldet: Buckeln hat er nur angetäuscht, Überreaktionen eigentlich nur in kleinen Panik-Attacken gezeigt, die vertrauensvolle Mitarbeit aber ziemlich eingeschränkt.

Für Außenstehende galt ich in dieser Zeit als nicht konsequent genug: mein Pferd würde nur testen. Mein Bauchgefühl sagte mir aber, das er bei dem verspannten Rücken nicht laufen und arbeiten könne. Er war beim Anreiten viel zu leistungsbereit als das er sich "einfach nur" blöd zeigt. Da musste etwas dahinter liegen.

Auch wenn ich niemals erfahren werde, ob ich ggfs. auch früher mehr von Shodan hätte verlangen können. Heute freue ich mich, dass er trotz der Rückenprobleme nie das Vertrauen in mich verloren hat, weiterhin unglaublich menschenbezogen ist und heute gerne die geforderten Aufgaben angeht.
Lieber langsamer vorankommen als übertreiben!

Gefahr der Unterforderung

... und nun kommt die menschliche Psyche ins Spiel. Die Erfahrung jahrelang mit einem chronisch kranken Pferd zu trainieren, kann große Probleme aufwerfen.

Man ist geneigt, das Pferd in Watte einzupacken und möglichst alle schädlichen Einflüsse abzuwehren.

Die Gefahr, dem Pferd zu wenig zuzutrauen und es sogar zu langweilen ist groß.

Wie überwindet man dieses ängstliche Bauchgefühl, wie werden effektiv Trainingsreize gesetzt?
» Zwischen Langeweile und Überforderung: das richtige Trainings-Maß finden

Link Tipps

Immunmodulierende Wirkung von Fetten aus dem Futter und Besonderheiten beim Pferd
Prof. Dr. Annette Zeyner
22. FFP-Fortbildungsveranstaltung zur Pferdegesundheit am 23. & 24. April 2005 in Münster-Handorf


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von Cindy Engel