Dai Shodan Mutter: Tersker | Vater: Arabisches Vollblut
geboren am 21.05.1996
Als Absetzer 1996 gekauft, sollte dieser AV-Mix ein ganz normales Freizeitpferd werden. Beide Eltern sind und waren top fit und gesund, und waren beide bei kleineren und mittleren Distanzritten erfolgreich. Ein chronisch krankes Pferd hatte ich bereits, da sollte das Nachwuchspferd unter idealen Bedingungen zu einem tollen Reitpferd heranwachsen.
2009: Shodan wird 13 Jahre alt und endlich ist er reitbar und seine Leidensgeschichte gehört der Vergangenheit an. Lange Jahre mit Hoffen und Bangen, Verzweiflung und neuen Anläufen liegen nun hinter uns. In diesen Jahren habe ich mir von wohlmeinenden Reit-Kollegen den ein oder anderen unverständlichen Blick bis hin zu offenen Angriffen angehört. Auch Sätze wie: dem gehört mal richtig was auf den Frack, dann läuft er auch! gehören tatsächlich nicht ins vorherige Jahrhundert, sondern werden auch heute noch in Reithallen als Empfehlung weitergereicht.
In der Öffentlichkeit wird der Reitsport in letzter Zeit eher mit Doping oder mit Pferde-Quälerei in Zusammenhang gebracht. Ein Skandal jagt fast schon den nächsten. Im normalen Pferdealltag geht es um viel kleinere und unscheinbare Geschichten, die für den Betroffenen aber nicht minder dramatisch sind.
Vier lange Jahre habe ich nach jedem Strohhalm gegriffen: Etliche Tierärzte, Osteopathen der unterschiedlichen Schulen, Pferde-Akupunkteure, Pferde-Physiotherapeuten und Pferde-Tierheilpraktiker haben mein Pferd behandelt. Vier Jahre waren geprägt von nicht greifbaren Diagnosen, von merkwürdigen Symptomen, Hoffen und Bangen und immer wieder neuen Rückfällen.
In solchen Jahren wird man als Pferdebesitzer zum Einzelgänger. Wie häufig habe ich an meiner eigenen Einschätzung gezweifelt. Sehe ich Gespenster? Sobald man sich einer solchen Herausforderung gegenüber sieht, dann geht die Suche los: wer kann helfen? wer hat noch eine Idee? welche Möglichkeiten gibt es?
2004: Mit dem Tierarzt meines Vertrauens hatte ich mich bereits über das Thema "Einschläfern" unterhalten. Meinem Pferd ging es einfach nur schlecht, er hatte Schmerzen, ich war mit meinen Nerven am Ende: ABER es gab keine Diagnose. Das Warum und das Wieso hingen in der Luft und immer wieder hatte ich mich doch wieder aufgerappelt um danach zu suchen.
Dann endlich stolperte ich im Internet über 2 Studienprojekte
an Universitäten in Australien und den USA. Zum ersten Mal
las ich damals von fütterungsbedingten Tying-Up Syndromen:
EPSM. Ich buddelte mich in die Texte und war sehr skeptisch: aber
mein Pferd und ich hatten nichts mehr zu verlieren. Eine Futterumstellung
war einfach durchzuführen.
Aber bei dem Gedanken einem dicken, um nicht zu sagen fetten Pferd
auch noch Öl zu geben, zauderte ich doch arg.
Kurze Zeit später flatterte die Kundenzeitung der Kräuterwiese die Schatz in meinen Briefkasten. Dort dann der erste Artikel über PSSM in deutscher Sprache, den ich damals gefunden habe. Das war für mich dann die Bestätigung, dass ich es wirklich wagen sollte, Leinöl ohne schlechtes Gewissen mit Heucobs gemeinsam zu verfüttern.
Natürlich ersetzt das Internet keinen Therapeuten. Und natürlich können betroffene Pferdebesitzer aufgrund von Diskussionen in Foren auch komplett verwirrt werden und sogar in Panik geraten. Aber dennoch: Das Internet kann auch positiv wirken, wenn durch die Informationsbeschaffung die rettende Idee aufkeimt. Ich war auf jeden Fall sehr glücklich, dass ich im Internet damals Hinweise gefunden hatte. Nach 4 Jahren vergeblicher Suche, nach diversen Untersuchungen und Therapieansätzen gab es eine Möglichkeit, die sich später auch als die Rettung herausstellte.
Nach vielen Gespächen mit Pferdebesitzern von chronisch kranken Pferden, weiss ich mittlerweile, das ich nicht allein mit nagenden Fragen zweifelnd vor meinem Pferd gestanden habe und immer wieder gegen schlechtes Gewissen und ein grummelndes Bauchgefühl angekämpft habe. Es kommt eigentlich viel zu häufig vor, dass Pferdebesitzer allein stehen und nach möglichen Auswegen suchen.
Diese Internetseite soll Mut machen auch mal "andere Wege" anzudenken, hier sollen Informationen und Hinweise angeboten werden. Ob eventuell etwas "passt" für Ihr Pferd und Ihre Einstellung, muss jeder selber entscheiden bzw. mit den Therapeuten und Behandler vor Ort abstimmen.
Glücklicherweise sind Begriffe wie PSSM
oder insgesamt Stoffwechselprobleme bei Pferden heute viel bekannter
als noch 1993. An deutschen Unis wird geforscht und gerade Frau
Prof. Dr. Annette Zeyner (aktuell an der Uni Rostock) wird nicht
müde auch in öffentlichen Vorträgen über die
aktuellen Erkenntnisse in der Forschung zu berichten.
Gefahr der Überforderung
Leider wehren sich nicht alle Pferde bei Überforderung
überaus deutlich. Auch Shodan hat sich eher zaghaft gemeldet:
Buckeln hat er nur angetäuscht, Überreaktionen eigentlich
nur in kleinen Panik-Attacken gezeigt, die vertrauensvolle
Mitarbeit aber ziemlich eingeschränkt.
Für Außenstehende galt ich in dieser Zeit als nicht
konsequent genug: mein Pferd würde nur testen. Mein Bauchgefühl
sagte mir aber, das er bei dem verspannten Rücken nicht
laufen und arbeiten könne. Er war beim Anreiten viel
zu leistungsbereit als das er sich "einfach nur"
blöd zeigt. Da musste etwas dahinter liegen.
Auch wenn ich niemals erfahren werden, ob ich ggfs. hätte
auch früher mehr von Shodan verlangen können. Heute
freue ich mich, dass er trotz der Rückenprobleme nie
das Vertrauen in mich verloren hat, weiterhin unglaublich
menschenbezogen ist und heute gerne die geforderten Aufgaben
angeht.
Gefahr der Unterforderung
... und nun kommt die menschliche Psyche ins Spiel. Die Erfahrung
jahrelang mit einem chronisch kranken Pferd zu trainieren,
kann große Probleme aufwerfen.
Man ist geneigt, das
Pferd in Watte einzupacken und möglichst alle schädlichen
Einflüsse abzuwehren.
Die Gefahr, dem Pferd zu wenig
zuzutrauen und es sogar zu langweilen ist groß.
Wie
überwindet man dieses ängstliche Bauchgefühl,
wie werden effektiv Trainingsreize gesetzt?
Zwischen
Langeweile und Überforderung: das richtige Trainings-Maß
finden
Link Tipps
Immunmodulierende
Wirkung von Fetten aus dem Futter und Besonderheiten beim Pferd
Prof. Dr. Annette Zeyner
22. FFP-Fortbildungsveranstaltung zur Pferdegesundheit am 23. &
24. April 2005 in Münster-Handorf
Wachstum
durch Energie
Ernährung und orthopädische Entwicklungsstörungen
beim Pferd
Prof. Dr. Annette Zeyner
Die Ernährung kann die Gesundheit des Bewegungsapparates im
positiven wie im negativen
Sinne beeinflussen. Dabei sind sowohl kurzfristig als auch langzeitig
systemisch wirkende Faktoren bekannt.