Pferde trainieren: Was sind Trainingsreize?
Was will mal eigentlich trainieren? Ausdauer, Muskelkraft, die Psyche?
Im Grunde genommen die gesamte Anpassungsfähigkeit des gesamten
Organismus hinsichtlich Psyche - wie auch der Organtätigkeiten
(z.B. Herz- Kreislauf-System) - wie auch Gewebe wie Muskulatur,
Sehnen und Bänder und auch die Knochendichte etc.
Von den Distanzreitern habe ich mir die Überprüfung der
Pulswerte abgeschaut.
Überraschend: auch die Psyche kann indirekt über die Pulsmessung
"interpretiert" werden. Natürlich sagt der Puls nicht
die komplette "Wahrheit" über die Fitness des Pferdes,
aber kennt man die Erholungswerte und weiss man, an welchen Stellen
unter welchen Bedingungen das eigene Pferd tatsächlich mit
Pulserhöhung reagiert, lernt man erneut eine Menge über
sein Pferd hinzu.
Hinweise zum Training aus dem Buch
Distanzsport
von Nancy Loving (Tierärztin)
Marathon unter dem Sattel
Nicht nur für Distanzreiter, sondern für alle Reiter,
die sich für Trainingsmethoden und den Trainingsaufbau interessieren.
Herz-Kreislauf-System
Gut durchblutete Gewebebereiche, speziell die Muskulatur, können
am schnellsten auf Trainingsreize reagieren und sich am schnellsten
anpassen.
Der Blutkreislauf und die Muskulatur reagieren auf Training mit
einer verbesserten Sauerstoffzufuhr zum Gewebe. Das Herz verbessert
seine Pumpleistung, indem es sich stärker zusammenzieht und
mit jedem Schlag mehr Blut in die Gewebe pumpt.
Im Laufe des Trainingsaufbaus zirkulieren auch mehr rote Blutkörperchen
im Blutstrom. Rote Blutkörperchen (Erythrozyten) werden in
der Milz gespeichert, von wo aus sie bei Bedarf freigesetzt werden
können. Hämoglobin ist ein Protein in den roten Blutkörperchen,
das den Sauerstoff für den Tranpsort in die Zellen bindet.
Je höher der Hämoglobin-Spiegel desto besser werden die
Gewebeschichten mit Sauerstoff versorgt.
Muskulatur
Die Muskulatur ist von Natur aus bereits gut durchblutet. Zusätzlich
zu einer Verbesserung der Sauerstoff- und Nährstoffzufuhr zu
den Muskeln passen sich die Muskelfasern auch in ihren Enzymaktivitäten
an die Trainingsbelastung an. Muskelaktivität
entsteht aufgrund der folgenden Stoffwechselvorgänge: Entweder
durch Verbrennung von Traubenzucker (Glukose) sowie die aus Fetten
stammenden Fettsäuren unter Sauerstoffverbrauch ["aerob"]
- oder durch den Abbau von Glukosemolekülen ohne Sauerstoff
["anaerob"].
Darüber hinaus lernen die Muskelfasern, sich möglichst
energiesparend zusammenzuziehen.
Stützgewebe
Sehnen, Bänder, Gelenkkapseln sowie das Hufgewebe sind weniger
stark durchblutet als die Muskulatur. Um eine Kräftigung als
Reaktion auf die Trainingsreize zu erzielen, sind mindestens 6
bis 12 Monate langsam aufbauendes Training notwendig.
Jedes Anlaufen oder Schwellungen der Gelenke oder der Sehnen weist
auf eine Überlastung hin. Nachlassende Gehfreudigkeit oder
verkürzte Schritte - vor allem bergab - können auf Muskelschmerzen,
Rückenprobleme oder Hufprobleme hindeuten und müssen ernst
genommen werden. Aber auch deutlich erhöhter Vorwärtsdrang
(unkontrolliertes Davonstürmen) oder Steigen und Buckeln deuten
auf gesundheitliche Probleme hin. In solchen Fällen ist das
Training sofort zu vermindern bzw. einzustellen.
Knochengewebe
Da Knochen nur schlecht durchblutet sind, dauert es mindest
1 bis 2 Jahre, bis sie ihre maximale Stärke erreicht haben.
Das Knochengewebe passt sich in einzigartiger Weise an die erhöhten
Belastungen durch sportliches Training an. Die Beanspruchung regt
das Gewebe an, seine mineralische Dichte zu erhöhen.
Die Knochen bilden das Gerüst, an dem Muskeln, Sehnen und Bänder
ansetzen. Die Qualität der Bewegungen eines Pferdes wird durch
sein Exterieur bestimmt, das wiederum davon abhängt, wie die
Knochen gebaut sind und zueinander stehen.
Aufbautraining
Jedes Pferd muss als Individuum betrachtet werden, und ein strategisches
Trainingsprogramm sollte auf die speziellen Bedürfnisse Ihres
Pferdes zugeschnitten sein. Wie bei einem Baukastensystem muss erst
ein Funktionssystem gekräftigt werden, bevor das nächste
beansprucht werden kann.
Der einzige Weg, Verletzungen des Bewegungsapparates zu vermeiden, besteht darin, den Faktor Zeit als wesentliches Elemet in den Trainingsplan einzubeziehen.
Bei all diesen Überlegungen spielt auch die Haltung des Pferdes eine Rolle. Das Pferd als Fluchttier ist auf Bewegung programmiert. Gerade Muskelprobleme bzw. Stoffwechselprobleme reagieren noch empfindlicher auf nur kurze aber intensive Bewegung bei reiner Boxenhaltung. Mäßige aber gleichmäßige Bewegung über etliche Stunden täglich muss geschaffen werden. Spaziergänge, gemeinsames Toben mit Artgenossen auf dem Paddock, eventuell Führmaschine und das tägliche Training gilt es zu organisieren.
Trainingsreize
Mit jeder Trainingseinheit entstehen an Muskeln, Sehnen und Bändern
Mikroschäden. Der Körper repariert diese Schäden
innerhalb von Stunden bis Tagen und die Gewebe passen sich so an
höhere Belastungen an. Durch diesen kontinuierlichen Prozess
fortschreitender Anpassung reift schließlich ein durchtrainierter
vierbeiniger Athlet heran, vorausgesetzt allerdings, dass die Belastung
nur allmählich gesteigert wird.
Ausdauertraining - Verbesserung der aeroben Leistungsfähigkeit
Langes, langsames Ausdauertraining verbessert die aerobe Leistungsfähigkeit
des Pferdes und soll gleichzeitig alle Gewebe des Muskel- und Skelettsystems
sowie des Herz-Kreislauf-Systems einer leichten Belastung aussetzen.
Im Allgemeinen arbeiten die meisten Pferde bei Pulswerten von 120
bis 150 Schlägen pro Minute im aeroben Stoffwechselbereich.
Das entspricht einem gemütlichen Arbeitstrab in relativ flachem
Gelände. Reiten Sie Ihr Pferd mindestens eine Stunde oder etwa
6 - 10 km am Tag kontinuierlich im Pulsbereich der aeroben Sotffwechsellage
(120 - 150 Schläge pro Minute) und das ca. jeden 2. Tag.
Krafttraining für Pferde
Neben dem Ausdauertraining sollten Muskeln, Sehnen und Bänder
durch Krafttraining aufgebaut werden. Beim Menschen hat sich gezeigt,
dass Krafttraining die Häufigkeit von Verletzungen am Bewegungsapparat
um 50 % reduziert.
Krafttraining bedeutet, dass man schrittweise entweder die Intensität
einer bestimmten Übung oder die Zahl der Wiederholungen bei
gleich bleibender Intensität erhöht. Die Intensität
erhöhen Sie zum Beispiel, indem Sie einen steileren Anstieg
hinauf reiten oder ein schnelleres Tempo beim Bewältigen eines
realtiv flachen Anstieges fordern.
Beispiele für nützliche Kräftigungsübungen sind
unter anderem die Dressurarbeit in der Bahn, das Reiten auf tiefem
Boden und das Bergauf- und Bergabreiten.
Der Trainingseffekt ergibt sich aus der stärkeren Belastung
des Herz-Kreislauf-Systems, der Muskeln, Sehnen und Bänder.
Vorsicht! Symptome für Übertraining
Stress stimuliert die Aktivität der Nebennieren. Diese Organe
schütten Substanzen wie zum Beispiel Adrenalin in die Blutbahn
aus, um die Durchblutung und die Herzfrequenz zu erhöhen. Hält
ständiger Stress durch intensive Arbeitsbelastung über
längere Zeit an, verbraucht das Pferd seine gesamten
Energiereserven, einschliesslich des Muskelproteins. Die Muskulatur
wird abgebaut, anstatt an Masse und Kraft zuzunehmen.
Erste Anzeichen, dass sich das Pferd im Dauerstress befindet: erhöhter
Puls, sowohl im Ruhezustand als auch im Training, außergewöhnliche
langsame atypische Regeneration und allgemeine Leistungsschwäche.
Adrenalin unterdrückt den Appetit des Pferdes; es frisst also
nicht nur schlecht oder lustlos, sondern verliert darüber hinaus
weiter an Gewicht.
WICHTIG: Versuchen Sie das Training abwechslungsreich zu gestalten, indem Sie täglich die Anforderungen verändern. Das lässt den an einem Tag beanspruchten Geweben Zeit, sich vor einer erneuten Belastung zu regenerieren.
persönliche Erfahrungen
Beim gesunden Pferd ist es nicht einfach einen individuellen Trainingsplan
ohne Unter- oder Überforderung aufzustellen. Eine Grundausbildung
eines Pferdes dauert ca. 3 Jahre, es bedarf einer Menge Zeit und
Erfahrung.
Bei einem chronisch kranken Pferd ist ein Aufbautraining
eine Herausforderung: Schemata passen plötzlich gar nicht mehr.
Muskulatur kann eigentlich durch Bewegung aufbauen und wird durch
die bessere Sauerstoffzufuhr eigentlich lockerer.
Bei PSSM stören aber "Stoffwechselablagerungen" jeden
Schritt des Pferdes. Statt Besserung wird die Verspannung nur noch
heftiger. Genauso kann es Pferden ergehen, wo es an anderer Stelle
"hakt".
Treten keine Verbesserungen des Trainingszustandes ein, dann überprüfen
Sie Ihr Trainingsprogramm und lassen Sie Fütterung und Gesundheit
Ihres Pferdes untersuchen.
Link Tipp
Welches Training ist besser für die Energiespeicherung in der
Muskulatur?
FFP geförderte Forschung: Längere und weniger intensive
Belastungen wirkten positiv auf die im Muskel eingelagerte Glykogenmenge.
Pferde, deren Ausdauer für den Erfolg im Wettkampf von großer
Bedeutung ist, sollten sich vor einem Wettkampf ausreichend erholen
können.
Muskulatur beim Pferd
Per Mausklick werden einzelne Muskelgruppen in ein Pferdeskelett
"eingefügt". Sehr anschaulich!
So arbeitet die Muskulatur
Eine sehr anschauliche Internetseite, auch wenn die menschliche
Muskulatur dargestellt wird, ein ganz besonderer Linktipp.
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