Pferde lernen immer! Egal was wir mit ihnen gemeinsam erleben: Bodenarbeit, Reiten, bei Veranstaltungen oder ganz privat alleine "zu Hause"

Pferdetraining: Lernen

Da stehen wir mal wieder vor unserem Pferd oder wollen eine bestimmte Aufgabe reiten und plötzlich mag so gar nichts mehr klappen. Was ist anders? Wo hakt es?

Immer wenn das Pferd anders reagiert als wir erwarten, sind (eigentlich immer!) wir als Mensch die Ursache: nur sehen wir das häufig genug leider nicht.

Wir sehen häufig nur, was wir gerne SEHEN WOLLEN! Unser Focus ist ziemlich subjektiv eingefärbt – alles andere blenden wir zunächst einmal aus!

Eine scheinbar ganz andere Geschichte zum Nachdenken:

Ein Projekt aus den 80-iger Jahren: Die DARPA hatte versucht einem Computer / Roboter (Stichwort neuronale Netzwerke) beizubringen Panzer auf Luftaufnahmen zu „erkennen“. Der Versuch verlief zunächst unglaublich erfolgsversprechend.
Die Euphorie war bereits groß als dann die weiteren Tests mit „echten“ Luftaufnahmen nur noch zu einem geringen Prozentsatz glückten: Panzer wurden so gut wie gar nicht erkannt.

Man fand dann den Grund heraus: Die Luftaufnahmen, die man zum „Lernen“ für den Computer nutzte, zeigten Panzer nur bei bedenktem Himmel. Das neuronale Netzwerk hatte gelernt, bedecktem Himmel von Sonnenschein zu unterscheiden.

siehe Neural Network Follies

Bei dem oben angesprochenen Experiment hatte man versucht einem Computer etwas beizubringen. Und bereits hier hat der Mensch einiges übersehen: Man war sich sicher, der Computer würde Panzer auf den Bildern erkennen: der Computer „kümmerte sich aber gar nicht um eventuelle Panzer oder andere Dinge auf den Bildern“: die Unterscheidung erfolgte zwischen bedecktem Himmel und Sonnenschein!
Ein himmelweiter Unterschied 😉 …. der dem Menschen aber erst später aufgefallen ist.

Um wievieles komplizierter wird es, wenn wir unsere Pferde trainieren wollen? Unser Augenmerk liegt immer auf den Dingen, die WIR erreichen möchten. Wer weiss, was beim Gegenüber / Pferd eigentlich ankommt?

Wenn wir gemeinsam mit unseren Pferden trainieren, nutzen wir das Lernverhalten eines Lebewesens: Lernen und Lernvermögen fußt immer auf den bisher gemachten Erfahrungen.

Auch wenn wir überzeugt sind, wir würden unserem Pferd eine bestimmte Hilfe beibringen, um eine Lektion oder Aufgabe zu meistern (immer die gleichen Hilfengebung, immer das identische Stimmkommando, immer identisch sitzen, immer die identische Körperhaltung und Spannung zeigen (?)) sollten wir hinterfragen, ob wir unserem Pferd vielleicht doch unterschwellig etwas ganz anderes beigebracht haben:

  • vielleicht hat das Pferd eine Aufgabe lediglich in einer bestimmten Reihenfolge gelernt…
  • oder nur an einer bestimmten Stelle in der Reitbahn …
  • oder nur wenn ein bestimmtes anderes Pferd in der Bahn ist
  • oder oder oder ….

Wirklich von „Gelernt“ können wir erst sprechen, wenn tatsächlich alle Paramater austauschbar werden: Umgebung, Wetter, Mitreiter – und auch Ausrüstung wie Sattel oder Trense.

Erst wenn die Dressurlektion draußen im (unbekannten) Gelände funktioniert bzw. Lenken und Tempowechsel auch mal ohne Kopfstück und ohne Zügel (oder aus Sicherheitsgründen nur mit Halfter und einem Strick) funktioniert – dann scheint der Mensch sich mit seinem Pferd zu verständigen.

Konfontriert uns unser Pferd demnächst mit überaschenden „Antworten“ und Verhaltensweisen, sollten wir erst überlegen, was wir unserem Pferd vielleicht unterschwellig UNGEWOLLT beigebracht haben.

Ärgern – mit Absicht ärgern – will und kann uns ein Pferd nicht!
Unser Pferd hat uns lediglich nicht verstanden – bzw. hat vielleicht nur unsere Lern-Umgebung und Hilfen komplett anders „gesehen„.