abwechslungsreiches Training - abwechslungsreiche Böden

Training, Bewegen – aber wie?

Wie trainiert man eigentlich ein verspanntes Pferd? Wie verhindert man den Rückfall?

2010: Mehr als 6 Jahre liegen nun hinter Shodan und mir: in den Anfangsjahren waren immer wieder Rückfälle in starke Verspannungen bis hin zu Tying up / Kreuzverschlags-Symptomen bei Shodan zu erkennen – seit 3 Jahren machen wir nun langsame Fortschritte – ohne Rückfälle – auch wenn natürlich immer wieder neue kleine Probleme auftreten.

Shodan hat Jahrelang unter Verspannungen gelebt: sein Schmerzgedächnis ist sehr präsent, und seine Muskulatur bzw. Sehnen und Bänder müssen erst wieder die volle Dehnung zurückerlangen, darüber hinaus gilt es, Shodan langsam reiterlich zu fördern und ihn auszubilden.

Nach unendlich vielen Rückfällen über mehrere Jahre, bin ich natürlich sehr vorsichtig geworden. Nachdem ich mich aber nun immer weiter an Shodans Leistungsmöglichkeiten herangetastet habe, bin ich von folgenden Ideen überzeugt:

Ein Pferd, das zu Muskelverspannungen, vor allem im Bereich der Rückenmuskulatur neigt, sollte zunächst einmal vom Boden trainiert werden. Solange der Rückenmuskel nicht locker wird, ist der Reiter eher ein zusätzlicher Störfaktor.

Der lange Rückenmuskel ist ein Bewegungsmuskel: den Reiter sollte das Pferd nicht mit dem Rückenmuskel zu tragen versuchen. Ist der lange Rückenmuskel aber verspannt, dann muss das Pferd zunächst einmal das Laufen mit entspannter Oberlinie lernen. Als „normaler eher durchschnittlicher Reiter“ würde ich Shodan in solchen Momenten vom Sattel aus nicht unterstützen können:
somit bin ich viel spazieren gegangen, ich mache viel Bodenarbeit mit Shodan und an der Longe – ohne Hilfszügel ! – erarbeite ich von unten Tempowechsel, Balance und Dehnungshaltung.

Spazieren gehen

Schritt Training: um Shodan regelmäßig im gleichmäßigen Schritt-Tempo zu bewegen, gehe ich gerne mit Shodan spazieren. Neben der Bewegung auf dem Paddock und in der Herde auf der (Winter-)Weide brauchen Pferde möglichst viel Schritt-Bewegung. Damit es nicht langweilig wird, kann man wunderbar im Gelände spazieren gehen. Quasi nebenbei werden Verkehrs-Sicherheit, unterschiedliche Wegebeschaffenheit, fremde Umgebungen und „merkwürdige“ Bekanntschaften mit Ziegen, Enten, Schwänen, Radfahrern, Skatebord-Fahrern usw. geübt. Das Liegefahrrad hat Shodan dann doch etwas überrascht. Diese optische Form kannte er noch nicht 😉

Bodenarbeit

Für mich ist Bodenarbeit neben der Vertrauensbildenden Basisarbeit – eigentlich alles, was ich auch vom Sattel aus machen kann. Bodenarbeit ist Kommunikation mit dem Pferd: wobei der Reiter auf dem Boden steht – oder auf einem Stuhl oder auf dem Boden sitzt 😉

Seitengänge, Vorwärts – Rückwärts – oder Dehnungsübungen (auch mal mit Futter-Anreiz), Vorderbeine kreuzen bis hin zur Hinterhandwendung, Hinterbeine kreuzen bis hin zur Vorhandwendung – das alles ist spielerisch vom Boden erlernbar.

Der Übergang zur Freiarbeit ist dabei fließend, genauso wie der Übergang zur Arbeit am langen Seil bis hin zur Longe.

Longe

Für mich ist die Longenarbeit quasi die Fortführung der Bodenarbeit: Arbeit auf Entfernung am langen Seil – bis zu x Meter Entfernung. Das Pferd in Engpässe schicken, anhalten lassen auf Entfernung, Hinterhandwendung oder auch mal im Kreis laufen.

Da für mich Richtungswechsel in die Bodenarbeit am langen Seil gehören, würden mich bei dieser Trainingsmöglichkeit Hilfszügel wie Ausbinder nur „stören“. Darüber bin ich mittlerweile überzeugt, dass jegliche Einwirkung, die beim Pferd zum Gegendrücken führen könnte, bei Verspannungen nicht wirklich förderlich ist.

Um dem Pferd beizubringen, dass es seinen Hals locker aus der Schulter fallen lassen darf und soll, dabei den Rücken entspannen und aufwölben kann, hilft wunderbar die Stimme. Sobald das Pferd auch nur den Versuch macht sich mal nach unten zu strecken, gilt es viel zu loben.

Eine weitere Möglichkeit ist es, das Pferd vorher auf einen etwas kleineren Kreisbogen zu führen: um es wieder nach außen zu schicken, vorne am Kopf wirklich jegliche Spannung lösen, von hinten aber etwas treiben, damit das Pferd zum untertreten aufgefordert werden.

Aber bitte alles „sanft“ und nicht überfallartig 😉

Selbst verspannte Pferde bieten bei dieser Übung in der Regel – zumindest kurzfristig – eine gewisse Entspannung in der Oberlinie an. Viel loben – und den Kampf vorne am Kopf aufgeben.

Druck erzeugt Gegendruck. Ist das Pferd bereits verspannt, kann nicht drücken, ziehen und Quetschen zum Ziel führen. Dann gilt es ganz bewusst, die Entspannung dem Pferd anzubieten, damit es dieser Entspannung folgen kann.