Verdauung beim Pferd: welchen Weg geht die Nahrung bei
unserem Pferd?
Im Vergleich zu Heu stellt Getreide / Kraftfutter eine stark konzentrierte
Energie zur Verfügung. Der eigentliche Dauerfresser
Pferd wird plötzlich überfordert: das Schlaraffenland
gilt es erst einmal zu verarbeiten.
Getreide bringt einen hohen Anteil von Kohlenhydraten / Stärke
in den Verdauungstrakt. Im Magen sind deutliche Unterschiede bei
der Passage von Getreide oder Heu erkennbar: Die Verdauung von Stärke
/ Getreide bewirkt eine Veränderung des ph-Gehaltes im Magen
bzw. führt durch die zu schnelle Passage durch den Magen zu
Problemen im Dünn- bzw. Dickdarm.
Der Magen beim Pferd ist in zwei Bereiche eingeteilt: dem
vorderen und hinteren Bereich: im vorderen Bereich liegt der ph-Wert
im günstigsten Fall bei ca. 5,5 - im hinteren Bereich bei 2,5.
In dem hinteren Bereich dem Drüsenmagen, sollen Bakterien abgetötet
werden.
Heu, dass gut eingespeichelt wird und langsam gefressen wird, kommt
hier kontinuirlich an und wird "durchsäuert".
Kraftfutter kommt hier häufig so konzentriert an, dass nicht
richtig durchsäuert werden kann.
Ein nicht durchsäuerter Futterbrei im Darm führt durch
die fortgesetzte Bakterientätigkeit zu Fehlgärungen.
Bei reinen Rauhfuttergaben liegt der pH-Wert des Chymus
am Magenausgang bei 3, hingegen bei Kraftfuttergaben um 5 bis 6.
Neuere Untersuchungen sprechen von:
... der intragastrale pH-Wert während der Fütterung von Heu ist im Vergleich zu Kraftfutter signifikant niedriger (pH 2,69 versus 3,35). Das bedeutet, dass Heu schneller den Magen verlässt, was gesünder für das Pferd ist.
Vom Magen geht es weiter in den Dünndarm. Hier wird
durch Bikarbonate der ph-Wert deutlich erhöht /abgepuffert.
Im Dünndarm werden die Nahrungsbestandteile (Aminosäuren,
Fette, Zucker, Vitamine, Mineralstoffe etc.) aufgenommen und ins
Blut abgegeben.
Der pH-Wert im Dünndarm liegt bei 7 - 8.
Die Rohfaser geht weiter in den Dickdarm. Bisher unverdaute
Nahrungsbestandteile in Form von Zucker oder Fetten stören
die Dickdarmflora.
Die Verdauungsvorgänge im Dickdarm sind :
- Cellulose, Hemizellulose und Pektin rohfaserhaltiger Futtermittel
werden mikrobiell verdaut - Proteine, die den Dünndarm passieren konnten werden mikrobiell verdaut
- Verdauung von Fetten in geringen Mengen
- Der Dickdarm ist Absorptionsort von flüchtigen Fettsäuren,
Ammoniak, Phosphor, Chlor Natrium, Wasser und in geringen Mengen
Kalium
Der ph-Wert des Pferdekots sollte dann wieder bei 6,3 liegen.
Diese Überlegungen zeigen, dass Heu DAS Pferdefuttermittel
schlechthin ist. Darüber hinausgehend Energie ins Pferd zu
bekommen kann nur vorsichtig über mehrere kleine Portionen
Kraftfutter geschehen. Eigentlich ist die Pferde-Verdauung auf Kraftfutter
nicht wirklich eingestellt. Hafer in kleinen Mengen ist noch am
ehesten von Pferden zu verdauen, da der Pferde-Dünndarm
in der Lage ist die vom Hafer gelieferte Stärke zu verdauen.
Bei Stärke von Mais und Gerste hat der Pferdedarm erheblich
mehr Probleme (man spricht hier von einer ca. 30% Verdaulichkeit
im Dünndarm), weshalb Fehlgärungen und Verdauungsstörungen
bei diesen beiden Getreidesorten deutlich wahrscheinlicher sind.
Um Magen- und Darmflora nach Futterumstellungen aufzubauen, dauert es zwischen 4 und 12 Monaten (einige Quellen sprechen auch von 18 Monaten).