Lumbago oder Kreuzverschlag, starke Muskelverspannungen
oder den Begriff Tying Up hat eigentlich jeder Reiter schon gehört,
manche bei ihren Pferden schon miterlebt.
Beim Pferd gehören diese Erscheinungen zum Oberbegriff
"Equine Rhabdomyolyse (ER)". Unter Rhabdomyolyse
versteht man die Auflösung quergestreifter Muskelfasern. Dazu
gehören die Skelettmuskulatur sowie Herzmuskulatur und Zwerchfell.
Nachgewiesen wird die Rhabdomyolyse durch erhöhte
Werte von Enzymen, die normalerweise nur im Muskel vorkommen. Hierzu
gehört die Kreatin-Kinase durch die leichte Muskelschädigungen
nachgewiesen werden können. Bei schweren Muskelschäden
färbt sich der Urin braun durch die Ausscheidung von Myoglobin.
Forschungen in den letzten 15 Jahren (vor allem im
englisch-sprachigem Raum) führten zu folgender Unterscheidung:
Equine Rhabdomyolyse ER
(engl.: Exertional Rhabdomyolysis - ER)
kann in zwei Formen unterschieden werden:
der akuten und der chronischen Form:
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akut
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chronisch
(metabolisches Geschehen) |
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SER Sporadic Exertional Rhabdomyolysis |
Chronic Exertional Rhabdomyolisis | |
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Akutes Geschehen
SER - sporadic exertional rhabdomyolysis
Bei der akuten Equine Rhabdomyolyse findet sich ein
aktueller Auslöser: z.B. die belastungsbedingte Überforderung
des Organismuss.
Hier liegt kein metabolisches Geschehen zugrunde.
Der sporadisch auftretende Kreuzverschlag
SER - sporadic exertional rhabdomyolosys
zeigt sich bei Pferden, die über ihren aktuellen Konditionsstatus
hinaus belastet werden: Bei Pferden, die nach Ruhepausen plötzlich
zu großer Leistung angehalten werden; bei Distanzrennen an
heissen Tagen, da hier die Pferde über die vermehrten Schweissabsonderung
Flüssigkeiten und Elektrolyte verlieren.
Auch bei Pferden, die bei Influenza oder Herpes-Erkrankungen trainiert
werden, kann es zu equiner Rhabdomyolyse kommen. Eine weitere bekannte
Form ist die „zu gutgemeinte“ Kraftfuttergabe bei Pferden
an Ruhetagen bzw. bei nur geringer Arbeitsbelastung.
Symptome:
Häufig treten die Symptome direkt am Anfang des Trainings
auf.
Die häufigsten Symptome sind Bewegungsunwille, extreme Steifheit,
Verhärtung der Muskulatur (Kruppe, Lendenbereich, Rücken
(evtl. Schulterbereich), starke Schmerzen, Schwitzen, Tachykardie
bis hin zur Myoglobinurie.
Die Blutdiagnose zeigt erhöhte CK und AST-Werte.
Zu beachten ist selbstverständlich:
Auch bei gesunden Pferden kommt es nach hartem Training zu einem
physiologischen Aktivitätsanstieg der Kreatinkinase (CK) und
der Aspartat-Amino-Transferase (AST) im Blut.
Die CK erreicht ihre maximale Aktivität nach etwas 6
Stunden, um sich dann innerhalb von 2 bis 3 Tagen auf den normalen
Wert einzupendeln.
Die AST-Aktivität zeigt ihr höchstes Niveau nach
ungefähr 24 Stunden. Erst nach 7 bis 10 Tagen bewegt sich dieser
Wert wieder im physiologischen Bereich.
Ständig erhöhte Muskelenzymaktivitäten weisen auf
eine Myopathie
hin.
Vorbeugung ER
Ein leistungsbezogenes, kontinuierlich aufbauendes Training
und eine ausgewogene Fütterung gelten als Vorbeugung.
Bei der Fütterung sind folgende Komponenten besonders zu beachten:
Vitamin E und Selen, freier Zugang zu einem Salzleckstein
(nicht zu verwechseln mit einem Mineral-Leckstein)
ermöglichen (vor allem bei Ausdauertraining | bei warmen/heissem
Wetter kann es zu Elektrolyte-Defiziten kommen),
ausreichende Mineralversorgung, (Natrium,
Kalium, Kalzium-Ungleichgewichte scheinen einen Einfluss auf "ER"
zu haben).
Bei einigen Pferden scheint die Zugabe von Chrom (5 mg/Tag) positiven Einfluss auszuüben. (Vorsicht bei » PSSM-Pferden, bei denen die Chrom-Zugabe kontraproduktiv zu sein scheint!)
Link Tipps
Verschlag: (SER / RER / PSSM)
Dr. C. A. Bingold, Pferdeklinik Großostheim